Mehr Zeit mit Coco
Die Coco Chanel-Philosophie für alle, deren To-Do-Listen aus allen Nähten platzen.
Aus dem Englischen übersetzt.
Wenn ich in den Spiegel schaue sehe ich seltener mich selbst als den weissen Hasen von Alice im Wunderland…”Keine Zeit, keine Zeit!”
Lebenskunst ist die Kunst des richtigen Weglassens. Das fängt beim Reden an und endet beim Dekolleté.
Coco Chanel
Ich bin nicht unbedingt diejenige, die Gefahr läuft, es mit Accessoires zu übertreiben. Ich vergesse ständig meine Schlüssel, mein Handy – manchmal auch mein Gehirn. An passende Ohrringe oder ein hübsches Armband zu denken, hat selten Priorität. Umso besser! Meine Vergesslichkeit bewahrt mich davor, einen der häufigsten Modesünden zu begehen: wie ein wandelnder Christbaum auszusehen. Coco Chanels Worte haben mich daher nie wirklich beeindruckt. Doch während ich mal wieder mein Leben neu starte und mir einbilde, dass ich in diesem Jahr wirklich eine neue Version von mir selbst werde, offenbarte sich die Weisheit ihres Ratschlags auf ganz neue Weise.
Neues Jahr, neuer Burnout
Meine Neujahrsvorsätze mit unzähligen To-do-Listen verbunden. Ich habe Vision Boards für dieses Jahr, diesen Monat, diese Woche, morgen und sogar für heute. Planung gibt mir das Gefühl von Kontrolle. Doch während mich eine gemütliche Morgenroutine meistens umgehend zurück ins warme Bett lockt, fühle ich mich mit einem rigiden Zeitplan wie eine Rennfahrerin am Lenkrad meines Lebens: Wenn ich weiss, was ich zu tun habe, fahre ich schnell, und immer geradeaus.
Seit dem 1. Januar ist meine Agenda wieder einmal das Manifest einer Überambitionierten. Für alle grossen und kleinen Ziele sind hier genaue Zeiten festgelegt: Für Morgengebete genauso wie Snack-Pausen, für die Arbeit an meinem zweiten Buch genauso wie fürs Staubsaugen. Auf dem Papier bin ich Superwoman. Im echten Leben? Nun, ihr kennt das: Wie im Fitnessstudio, das schon Mitte Januar merklich leerer wird, sinkt auch die Anzahl der abgehakten Kästchen auf meiner To-Do-Liste täglich. Und so kam es, wie es kommen musste: Von meinem Sprint ins Jahr 2023 bin ich jetzt bereits wieder ausgepowert.
Was würde Coco tun?
Mode ist Lebensweisheit. Sie zeigt, wie wir der Welt unsere Stärken und Schwächen präsentieren. Kleidung und Accessoires spiegeln nicht nur, wer wir sind, sondern auch, wer wir sein könnten, und wer wir sein wollen. Ähnliches gilt für unsere Routinen. Unsere To-do-Listen sind wie Designer-Handtaschen – sie sollen Eindruck machen. Und wenn wir noch nicht einmal für einen Kaffee-Plausch mehr Zeit haben, können wir mit unserem vollen Zeitplan genauso angeben, wie mit einer Vintage-Hermès:
„Du, ich würde ja wirklich gerne, aber ich hab soooo viel zu tun!“
„Hm, wie sieht es in zwei Monaten aus? Dann hätte ich nämlich am Dienstag um 15.30 noch ein kleines Zeitfenster frei.“
Auch wenn es sich im Moment gut anfühlt, mit der eigenen Produktivität so prahlen zu können, ist der Stolz auf einen übervollen Terminkalender in Wirklichkeit genauso peinlich, wie mit Diamantohrringen, Perlenkette und Tiara einkaufen zu gehen. Es ist in jeder Hinsicht „too much“. Zeit also, sich von Coco inspirieren zu lassen, und alles wegzulassen was überflüssig ist.
Minimalismus für die Seele
Indem ich meine To-do-Liste entschlackt habe, habe ich etwas Unerwartetes geschaffen: Raum. Raum für Prioritäten. Raum für das, was wirklich zählt. Vieles von dem, was dringend scheint, ist es eigentlich nicht. Aber das, was bleibt, hat plötzlich eine ganz neue Bedeutung. Wie ein schlichtes Outfit, das durch ein einziges Accessoire zum Hingucker wird, sorgt eine reduzierte To-do-Liste dafür, dass meine Energie auf das Wesentliche gerichtet ist.
Seine Tage und Wochen zu entschlacken ist im ersten Moment beängstigend, vor allem für Menschen, die ihre Produktivität gern wie ein Abzeichen auf der Brust tragen. Aber Unnötiges wegzulassen, macht weder ein Outfit weniger schick noch einen Menschen weniger fleissig. Es schafft Platz für Kreativität und Authentizität.
Was lässt du heute weg?